3.44
Es ist 3.44 Uhr und ich liege im Bett und trage Kämpfe in meinem Kopf aus.
Ein Leben voller Wahrscheinlichkeiten.
Ich winde meine Gedanken um ein Thema, betrachte es von möglichst allen denkbaren Seiten und denke die wahrscheinlichsten Abläufe eines anstehenden Gesprächs durch.
In jedem dieser Abläufe erkenne ich deutlich meine Grundhaltung des vergangenen Jahres. Ein freundliches Fick dich, gepaart mit dem Verteidigen meiner Grenzen und denen meines Kindes.
In jedem wahrscheinlichen Verlauf dränge ich die Vertreter einer Institution in ihren Bereich zurück und zwinge sie, ihr Verhalten offen darzulegen. Auch ihre mangelhaften Strukturen.
Die Leitung dieser Institution spricht sich selbst immer wieder offen zu einer konstruktiven Fehlerkultur aus. Und vor vielen Jahren besuchte ich eine Fortbildung, in der sich alle toll feierten, dass sie die Buchstaben des Wortes Fehler ganz heldenhaft und vor Weisheit strotzend zu Helfer umgestellt hatten.
Würde ich hier Emojis verwende, würde ich an dieser Stelle mit den Augen rollen. Eine Abschweifung.
Das für mich Beste an diesem nächtlichen Kampf ist die Feststellung, dass ich mich tatsächlich nicht mehr in der Verteidigung erlebe.
Es ist 4.44 Uhr und ich wollte noch viel mehr Gedanken ausführen, doch diese Feststellung eben, die während dem Schreiben spontan aus den Tasten sprang, löst eine tiefe Zufriedenheit mit mir selbst und meiner bisherigen Entwicklung aus.
Ich bin auf den tatsächlichen Ablauf des anstehenden Gesprächs sehr gespannt.