Meilenstein

Meilenstein

Ich fürchte, es reicht nicht, ihr einfach nur mit einem Kaffeebecher die Nase zu brechen und sie rauszuschmeissen. Ich rechne damit, dass sie wieder auftaucht. Einen Moment abwartet und sich durch eine der vielen Hintertürchen einschleicht und unerwartet zuschlägt. Ganz im Stil einer mehr oder weniger gut aufgebauten Geschichte, die von Spannung und Überraschungen lebt.
Nur ist das hier keine erfundene Geschichte und ich habe ihr die Nase mit einem Kaffeebecher gebrochen. Doch zuvor habe ich sie personalisiert. Ihr einen Körper, ein Aussehen gegeben.
Das ist einfach so passiert, als ich mich freute, dass mein Lieblingsgame endlich das Storyupdate bekam. Ich glitt beim Spielen in die Story und realisierte das alles erst, als ich sie mit der Nase zu Boden drückte und ihr zaghaft den Kaffeebecher auf den Hinterkopf schlug. Das war so zaghaft, dass es nicht mal als Schlag durchgehen würde. Ich wollte sie nicht umbringen. Sie war schließlich eine lebendige Person. Also gab ich ihr ein wenig Proviant mit, bevor ich sie in die frostige World schickte und die Tür schloss.
Erst als ich aufwachte, wusste ich, wer sie wirklich war. Ich hätte sie gleich töten sollen.
Sie wird wieder kommen. Doch ich warte neugierig ab, in welcher Form sich diese innere, fremde Stimme zeigen wird. Sie ist nur ein Nachhall der Vergangenheit, die mir das Leben immer wieder schwer macht. Ungewollter Ballast, der mir jetzt in diesem Traum greifbar wurde.
Was du greifen kannst, kannst du verändern. Rausschmeissen. Oder töten.

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