-stört
„Natürlich feiern wir deine Aufnahme!“, sagte ich und schüttelte schmunzelnd den Kopf über meinen Freund, dem es offenbar unangenehm war, von seiner fehlerfreien Aufnahmeprüfung auf die weltweit beste technische Universität zu berichten.
Ich öffnete das Ferienhaus, das ich vor kurzem gekauft hatte. Mein Traumanwesen, von dem ich kaum glauben konnte, dass ich es zu einem viel zu geringen Preis erstehen konnte. Vom Vorbesitzer wusste ich nichts, auch nicht warum das Haus verkauft wurde. Ich wusste nur, dass das Haus bestens ausgestattet war, auf einem riesigen eingezäunten Grundstück stand, über eine Alarmanlage verfügte und die nächsten Nachbarn waren gut zwei Kilometer entfernt. Allein das wäre schon mehr wert gewesen, als ich hätte zahlen können. Dass der See, an dem das Haus lag, zum Grundstück gehörte, las ich erst in den Papieren. Es war nicht im Exposè erwähnt. Immerhin stand drin, dass der Vorbesitzer all inclusive verkaufte, also auch persönliches Zeug.
Im Patio legte ich meine Sachen ab und mir fiel ein, dass der Notar sagte, ich solle mich genau dort nochmals umsehen. Ein wunderschöner Innenhof mit kleinen Sitzecken, die leicht versteckt waren von üppigen Sträuchern. Jetzt erst mal die Feier vorbereiten und umsehen kann ich mich später noch, dachte ich, und wollte die mit Schnitzereien und Metallornamenten verzierte Holztür zur Küche öffnen.
Im Augenwinkel bemerkte ich etwas unstimmiges. Ich drehte mich um, mein Handy in der Hand.
E.M. lag da auf dem Ottomanen in einer absoluten Unantastbarkeit, als es an ihm piepste.
„Spannend“, sagte ich, „du bist gar nicht auf dem Foto drauf, dass ich gerade von dir gemacht habe.“ Auf meinem Handy sah ich nur den Sitzbereich mit dem kleinen Metalltisch, einem Sessel und dem Ottomanen. Keinen Mann, der seit einigen Monaten um mich herum schlich, mir Geschenke und Blumen schickte und mir Avancen machte. Der Typ hatte die Ausstrahlung eines gewissen Milliardärs, der sein Geld offiziell mit Raumfahrt macht. Und inoffiziell mit seinen Waffen weltweite Kriege am Laufen hält. Ich taufte ihn einfach E.M.
Er lächelte. „Wenn du mich nicht freiwillig hier rein lässt, dann muss ich mir eben etwas einfallen lassen. Wie findest du meine neueste Erfindung? Der erste Prototyp, aber ganz brauchbar. Ist ein guter Test hier.“
„Was machst du…“. Weiter kam ich nicht. Neben ihm war eine Öffnung in der Steinmauer. Ein Safe direkt ins Mauerwerk eingelassen. E.M. hatte an der Safetür ein Kästchen angebracht, die Kabel führten zu seinem Laptop auf dem Tisch.
Das meinte also der Notar.
„Was ist deine Erfindung?“, fragte ich und war überrascht von meiner Ruhe.
Ich brauchte keine Antwort.
Seine Erfindung war so genial wie gruselig.
Ein tragbares Gerät, eine Art Störsender, der den Menschen auf Überwachungskameras einfach ausradiert, der Wärmesignaturen unterbrechen kann und der einen Menschen schwerelos erscheinen lässt auf den Gewichtssensoren, die unter dem gesamten Grundstück verlegt waren. Nicht ein Teil des gesamten Alarmsystems wurde ausgelöst.
Ein perfektes Gerät, um jemanden zum Geist zu machen.
Allein die Einsatzmöglichkeiten. Ich schauderte.
Er grinste mich noch immer an. Nicht unfreundlich, nicht mal so ätzend siegessicher. Er sah aus wie ein Kind, das gerade eine geile Sandburg gebaut hatte.
„Wenn ich das erst mal verfeinert habe und verkau…“, begann er. Ich beendete seinen Satz mit einer Kugel durch seinen schlauen Kopf.
Als ich aufwache ist mein erster Gedanke: Unglaublich, was mein Gehirn macht aus der erfolgreichen schriftlichen Prüfung einer Freundin plus einem Geheimagententhriller plus einer Werbung in einem Handyspiel plus meinen Ferienwohnungen der letzten zwei Wochen plus einem Film mit ABBA-Musik.